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Hans Erich Blaich - "Dr. Owlglass"

Lob der Klappe

O wie schön ist's in der Klappe,
wodarein man abends steigt,
ohne Hast und Aktenmappe,
jedem Scharfsinn abgeneigt.

Aus des Tages Fieberhektik,
aus dem wesenlosen Schein
unfruchtbarer Dialektik
kehrst du in Nirwana ein.

Nach erfolgtem Nachtgebete
reicht dein Engel dir ein Glas,
randvoll angefüllt mit Lethe*,
schaumig-kühl und frisch vom Faß.

Gibt es eine bess're Würze?
Alles, was dich drückte, weicht,
flieht, verdunstet, und in Kürze
hast den Nullpunkt du erreicht,

wo dein Schifflein ohne Ruder
regungslos im Hafen liegt,
wo des Todes sanfter Bruder
dich in seinen Armen wiegt.

* nach dem Unterweltfluß der griech. Sage: Vergessenheitstrank

(eingesandt von Andreas Schwarzkopf)

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