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Heinrich Seidel: Glockenspiel

III. Lieder


FRÜHLINGSSTILLE.

Die Abendröthe, sanft entglommen,
Scheint durch der Zweige leichtes Grün.
Noch ist die Stunde nicht gekommen,
Doch ist sie nah: Bald soll es blühn!

Und wie in Ahnung still versunken
Des Glückes, das sich nieder neigt,
Von jungen Säften vollgetrunken,
Ruht alles – knospet nur und schweigt.

Das ist die Stille, draus gewaltig
Der Frühlingsjubel schwellen soll,
Die Fülle ist's, die vielgestaltig
In Blüthen überquellen soll.

Du gehst in stillen Traum versunken,
Du Holde, durch das junge Grün ...
Auch deine Seele hat getrunken
Vom Zaubertrank – bald soll sie blühn!

Noch weisst du kaum, was still und mächtig
Durch deine Seele knospend geht,
Bis dass auch sie einst wunderprächtig
In gluthenvoller Blüthe steht.

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