mumag > Gedichtauswahl > Seidel

Heinrich Seidel: Glockenspiel

III. Lieder


IM MAI 1868

Ja, noch ist es keine Sage,
Was der Dichter singt vom Mai: –
Blauer Himmel, sonn'ge Tage
Ziehn in goldner Pracht vorbei.

Ist er doch ein schlauer Knabe!
Wankt einmal sein alter Ruhm,
Giebt er seine schönste Gabe,
Oeffnet er sein Heiligthum.

Streut er seine schönsten Blüthen,
Klingt und singt er früh und spat,
Gleich, als wollt' er uns vergüten,
Was er oft gesündigt hat.

Blauer Himmel, sonn'ge Tage
Ziehn in goldner Pracht vorbei –
Ja, noch ist es keine Sage,
Was der Dichter singt vom Mai.

NACHTRAG IM JAHRE 1889

Ach, noch einmal steigst du nieder,
Schön, wie damals, glänzt dein Kleid,
Aber eins bringst du nicht wieder:
Meine holde Jugendzeit!

Seitenanfang / top
mehr Frühlingsgedichte


Werbung amazon: Frühlingsgedichte -
Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen



Impressum - Datenschutz