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Heinrich Seidel: Glockenspiel

V. HUMOR, BURLESKE UND SATIRE


REIMKUNSTSTÜCKE.

aus der Mappe des lyrischen Dichters Johannes Köhnke,
wirklichen Mitglieds des "Allgemeinen deutschen Reimvereins".

3. HERBST

Der Dichter singt, wenn auch die Blätter fallen,
Wenn nach des Sommers Ueberschwenglichkeiten
Beginnt die Zeit der Unzulänglichkeiten,
Und Büchsen bei des Horns Geschmetter knallen.

Der Dichter singt, und um so netter schallen
Die goldnen Reime, wenn Bedenklichkeiten
Ob aller irdischen Vergänglichkeiten
Sich gleich dem düstren Sturmeswetter ballen.

Der Dichter singt, wenn alle Lieder schweigen,
Wenn zu des Südens ew'gem Sonnenbrande
Die Nachtigallen ihr Gefieder neigen.

Der Dichter singt, und seine Reime klingen:
Er sieht aus Hypokrenes Bronnensande
Zu jeder Zeit die Liederkeime dringen!

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