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Heinrich Seidel: Neues Glockenspiel

I. VERMISCHTE GEDICHTE.


DER ENTFLOGENE PAPAGEI

Schön ist wohl die Freiheit, liebes Papchen.
Herrlich sich im Sonnenschein zu wiegen,
Wo im Flug das leuchtende Gefieder
Grün' und rothe Farbenblitze sendet.
Kühl und schattig ist's, wo dort am Teichrand
Bäume rauschen. Auf dem dunklen Grunde
Schwimmen leuchtend weisse Wasserrosen,
Und im schwarzen unbewegten Spiegel
Malt sich diese schöne Welt noch einmal.
Besser ist's, wie in dem blanken Käfig,
Lust'ger schaukelt's sich auf schwanken Zweigen
Als im goldnen Ring, und freudig segnest
Du das Fenster, deiner Freiheit Pforte.
Aber doch: Wenn zwei so schöne Augen
Lieblich flehend sind auf dich gerichtet,
Solche Händchen warten dich zu kosen,
Solche Lippen dich zu küssen trachten,
Solches Mündchen schmeichelt: »Komm mein Papchen!« ...
Wär' ich du, ich wüsste was ich thäte!

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