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Heinrich Seidel: Neues Glockenspiel

V. EPIGRAMME UND HUMORISTISCHES.


DIE KOPFARBEIT

Sonnabend ist's am vormittag,
Der Pastor geht und spintisiertr
Denkt über seine Predigt nach
Und raucht und raucht und meditiert
Und wie sich alles schon gestaltet,
Allmählich rundet und entfaltet,
Steht seine kleine Tochter da:
»Gieb mir ein Bilderbuch, Papa!«

Der Pastor hört's mit halbem Ohr,
Zieht aus dem Bort ein Buch hervor.
Die Kleine bittet weiter noch:
»Nun zeige mir die Bilder doch!«
»Damit lass heute mich in Ruh,
Ich habe keine Zeit dazu!«
»Was thust du denn?« so spricht das Kind,
Fraglustig, wie die Mädchen sind.
»Ich steck' in Arbeit überaus!
Lass mich allein und geh hinaus!«

Die Kleine kann das nicht kapieren:
»Du gehst doch immer nur spazieren
Und guckst dann in den Rauch hinein,
Das kann doch keine Arbeit sein!«
»Ei, das verstehst du nicht, mein Kind,
Du kleiner naseweiser Tropf;
Ich thu die Arbeit mit dem Kopf.«
»Ach,« spricht die Kleine ganz geschwind,
»Ach, mit dem Kopf, nun weiss ich's ja,
Ich seh es doch: Du rauchst, Papa!«

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