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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Der Löwe und der Fuchs

»Herr Löwe«, sprach ein Fuchs, »ich muß
Dir's nun gestehen, mein Verdruß
Hat sonst kein Ende:

Der Esel spricht von dir nicht gut;
Er sagt: was ich an dir zu loben fände,
Das wiss' er nicht; dein Heldenmuth
Sey zweifelhaft; du gäbst ihm keine Proben
Von Großmuth und Gerechtigkeit;
Du würgetest die Unschuld, suchest Streit;
Er könne dich nicht loben!«

Ein Weilchen schwieg der Löwe still,
Dann sprach er: »Fuchs! er spreche, was er will;
Denn, was von mir ein Esel spricht,
Das acht' ich nicht!«

aus Wilhelm Körte: J. W. M. Gleim's sämmtliche Werke, Bd. 3.
Büreau für Literatur und Kunst, Halberstadt: 1811, S. 212-213.

(eingesandt von Klemens Wolber)

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