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Johann Wolfgang von Goethe

Gutmann und Gutweib

Und morgen fällt St. Martins Fest,
Gutweib liebt ihren Mann;
Da knetet sie ihm Puddings ein
Und bäckt sie in der Pfann.

Im Bette liegen beide nun,
Da saust ein wilder West;
Und Gutmann spricht zur guten Frau:
»Du riegle die Türe fest.«

»Bin kaum erholt und halb erwarmt,
Wie käm ich da zu Ruh;
Und klapperte sie einhundert Jahr,
Ich riegelte sie nicht zu.«

Drauf eine Wette schlossen sie
Ganz leise sich ins Ohr:
So wer das erste Wörtlein spräch',
Der schöbe den Riegel vor.

Zwei Wanderer kommen um Mitternacht
Und wissen nicht, wo sie stehn,
Die Lampe losch, der Herd verglomm,
Zu hören ist nichts, zu sehen.

»Was ist das für ein Hexenort?
Da bricht uns die Geduld!«
Doch hörten sie kein Sterbenswort,
Des war die Türe schuld.

Den weißen Pudding speisten sie,
Den Schwarzen ganz vertraut;
Und Gutweib sagte sich selber viel,
Doch keine Silbe laut.

Zum anderen sprach der eine dann:
»Wie trocken ist mir der Hals!
Der Schrank, der klafft, und geistig riechts,
Da findet sich's allenfalls.

Ein Fläschchen Schnaps ergreif ich da,
Das trifft sich doch geschickt!
Ich bring es dir, du bringst des mir,
Und bald sind wir erquickt.«

Doch Gutmann sprang so heftig auf
Und fuhr sie drohend an:
»Bezahlen soll mit teurem Geld,
Wer mir den Schnaps vertan!«

Und Gutweib sprang auch froh heran,
Drei Sprünge, als wär sie reich:
»Du Gutmann sprachst das erste Wort,
Nun riegle die Türe gleich!«

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