mumag > Gedichtauswahl > Heine

Heinrich Heine

Schlosslegende

Zu Berlin im alten Schlosse
sehen wir aus Stein gemetzt
wie ein Weib mit einem Rosse
sodomitisch sich ergetzt.

Und es heißt, dass jene Dame
die erlauchte Mutter ward
unseres Fürstenstamms – Der Same
schlug fürwahr nicht aus der Art.

Ja, sie hatten alle wenig
von der menschlichen Natur,
und an jedem Preussen-König
merkte man die Pferdespur.

Stets brutal zugleich und blöde,
Stallgedanken, jammervoll,
ein Gewieher ihre Rede
eine Bestie jeder Zoll.

Du allein, du des Geschlechtes
letzter Sprößling, fühlst und denkst
wie ein Mensch, und hast ein echtes
Christenherz und bist kein Hengst.

aus: „Nachgelesene Gedichte 1845-1856“ - 1. Abteilung: Zeitgedichte

(eingesandt von J. Friedrich)

Seitenanfang / top


Werbung amazon: Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen -
Hörbuch-Abo gratis testen



Impressum - Datenschutz