mumag > Gedichtauswahl > Hölderlin

Friedrich Hölderlin

Blödigkeit

Sind denn dir nicht bekannt viele Lebendigen?
  Geht auf Wahrem dein Fuß nicht, wie auf Teppichen?
    Drum, mein Genius! tritt nur
      Bar ins Leben, und sorge nicht!

Was geschiehet, es sei alles gelegen dir!
  Sei zur Freude gereimt, oder was könnte denn
    Dich beleidigen, Herz, was
      Da begegnen, wohin du sollst?

Denn, seit Himmlischen gleich Menschen, ein einsam Wild,
  Und die Himmlischen selbst führet, der Einkehr zu,
    Der Gesang und der Fürsten
      Chor, nach Arten, so waren auch.

Wir, die Zungen des Volks, gerne bei Lebenden,
  Wo sich vieles gesellt, freudig und jedem gleich,
    Jedem offen, so ist ja
      Unser Vater, des Himmels Gott,

Der den denkenden Tag Armen und Reichen gönnt,
  Der, zur Wende der Zeit, uns die Entschlafenden
    Aufgerichtet an goldnen
      Gängelbanden, wie Kinder, hält.

Gut auch sind und geschickt einem zu etwas wir,
  Wenn wir kommen, mit Kunst, und von den Himmlischen
    Einen bringen. Doch selber
      Bringen schickliche Hände wir.

(eingesandt von Klemens Wolber)

Seitenanfang / top

   Tweet

Werbung amazon: Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen -
speziell zu Gedichten von Hölderlin



Impressum - Datenschutz