mumag > Gedichtauswahl > Keller
mehr Waldgedichte

Gottfried Keller

Waldlied

2

Aber auch den Föhrenwald
Lass' ich mir nicht schelten,
Wenn mein Jauchzen widerhallt
In dem sonnerhellten!

Heiter ist's und aufgeräumt
Und das Weh'n der Föhren,
Wenn die Luft in ihnen träumt,
Angenehm zu hören!

Schlanken Riesenkindern gleich
Steh'n sie da im Bunde,
Jedes erbt ein kleines Reich
Auf dem grünen Grunde.

Aber oben eng verwebt,
Eine Bürgerkrone
Die Genossenschaft erhebt
Stolz zum Sonnenthrone.

Schmach und Gram umfängt sie nie,
Nimmer Lebensreue;
Schnell und mutig wachsen sie
In des Himmels Bläue.

Wenn ein Stamm im Sturme bricht,
Halten ihn die Brüder;
Und er sinkt zur Erde nicht,
Schwebend hängt er nieder.

Lieg' ich so im Farrenkraut,
Schwindet jede Grille,
Und es wird das Herz mir laut
In der Föhrenstille.

Weihrauchwolken ein und aus
Durch die Räume wallen –
Bin ich in ein Gotteshaus
Etwan eingefallen?

Doch der Unsichtbare läßt
Lächelnd es geschehen,
Wenn mein wildes Kirchenfest
Hier ich will begehen!


zurück zu
Waldlied 1 - Arm in Arm und Kron an Krone steht der Eichenwald verschlungen ...

Seitenanfang / top

   Tweet

Werbung amazon: Waldgedichte -
Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen



Impressum - Datenschutz