Christian Morgenstern

Genug oft

Genug oft, daß zwei Menschen sich berühren,
– nicht leiblich, geistig nur – daß sie sich „sehn“,
daß sie sich einmal gegenüberstehn –
um sich danach auf immer zu verlieren.

Genug oft, daß ein Lächeln zweier Seelen
vermählt – oh nicht vermählt! Nur dies: sie führt,
so vor einander schweigend und erschüttert,
daß ihnen alle Wort' und Wünsche fehlen,
und jede, unaussprechlich angerührt,
nur tief vom Zittern der verwandten zittert.

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