mumag > Gedichtauswahl > Nietzsche

Friedrich Nietzsche

Lied des Ziegenhirten

(An meinen Nachbar Theokrit von Syrakusa.)

Da lieg ich, krank im Gedärm –
Mich fressen die Wanzen.
Und drüben noch Licht und Lärm:
Ich hör's, sie tanzen.

Sie wollte um diese Stund'
Zu mir sich schleichen:
Ich warte wie ein Hund –
Es kommt kein Zeichen!

Das Kreuz, als sie's versprach!
Wie konnte sie lügen?
Oder läuft sie Jedem nach,
Wie meine Ziegen?

Woher ihr seidner Rock? –
Ah, meine Stolze?
Es wohnt noch mancher Bock
An diesem Holze?

Wie kraus und giftig macht
Verliebtes Warten!
So wächst bei schwüler Nacht
Giftpilz im Garten.

Die Liebe zehrt an mir
Gleich sieben übeln –
Nichts mag ich essen schier,
Lebt wohl, ihr Zwiebeln!

Der Mond ging schon in's Meer,
Müd sind alle Sterne,
Grau kommt der Tag daher –
Ich stürbe gerne.

(eingesandt von Karl Hecker)

Seitenanfang / top

   Tweet

Werbung amazon: Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen -
Bücher von und über Friedrich Nietzsche



Impressum - Datenschutz