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Joachim Ringelnatz

Ritter Sockenburg

Wie du zärtlich deine Wäsche in den Wind
hängst, liebes Kind
vis a vis,
diesen Anblick zu genießen,
geh ich, welken Efeu zu begießen.
Aber mich bemerkst du nie.

Deine vogelfernen, wundergroßen
Kinderaugen, ach erkennen sie
meiner Sehnsucht süße Phantasie,
jetzt ein Wind zu sein in deinen Hosen – ?

Kein Gesang, kein Pfeifen kann dich locken.
Und die Sehnsucht läßt mir keine Ruh.
Ha! Ich hänge Wäsche auf, wie du!
Was ich finde. Socken, Herrensocken;
alles andere hat die Waschanstalt.
Socken, hohle Junggesellenfüße
wedeln dir im Winde wunde Grüße.
Es ist kalt auf dem Balkon, sehr kalt.

Und die Mädchenhöschen wurden trocken,
mit dem Winter kam die Faschingszeit.
Aber drüben, am Balkon, verschneit,
eisverhärtet, hingen hundert Socken.

Ihr Besitzer lebte fern im Norden
und war homosexuell geworden.

(eingesandt von J. Friedrich)

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