Francisca Stoecklin

Der schwarze Wald

Mein Gott, ich knie vor dir auf der harten Erde.
Auf vielen Wegen hab ich dich gesucht.
Und manchmal glaubte ich dich tief zu fühlen,
In einer Blume, in eines Menschen lieben Augen,
In einem kleinen Tier. Dann aber verlor ich dich
In meiner eigenen Dunkelheit und Wirrnis.
In Sünden, die mich schön versuchten.
Und auch die süßen Blumen trat ich manchmal
Grausam nieder, meinen zarten Körper, meine Seele.
Nichtachtend, daß von deinem Licht in ihnen ist.
Im schwarzen Wald, die bösen Dornen haben
Meine Füße, meine Seele weh zerrissen.
Jetzt lieg ich blutend vor dir, ganz entstellt
Von Schmerz und Lieben. Wirf mich nicht von dir, Gott!
Ich bin dein Kind. Ich will dir sein, ich will ...
Denn du hast mich gemacht, du weißt, warum ich sein muß,
Was ich bin, warum ich blutend, blutend vor dir liege.

Du kannst mich nicht verwerfen, Gott! Ich liege tief,
Aber noch glänzen ferne über mir die Sterne.
Rauschen unendlich deine heilig hohen Bäume.
Blühen voll Innigkeit die zarten weißen Blüten.
– Die Welt ist groß – Mir wird so licht, mir wird so gut,
Ich spüre, wie dein Blut in meine Wunden rinnt,
Wie wir ganz still, ganz innig ineinanderfließen.
Jetzt fühle ich dich, süßer Gott, du bist in meinem Blute.
Ich darf dein Kind sein, deiner Ewigkeit gehören.

Du bist in allen Erdendingen das Unendliche und Gute.

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