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Angelus Silesius
(eigentlich Johannes Scheffler)

An der Krippe

Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!

Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.

Ich verlasse nun die Welt
Und was mir an ihr gefällt.
Dir alleine will ich leben,
Dir mich gründlich untergeben.
Du alleine, Jesulein,
Sollst mein Herr und Obrer sein.

Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.

Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verbleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.

(ca. 1657 im 1. Buch der Sammlung „Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder“ –
dort als Nr. 27 unter dem Titel „Sie (die gläubige Seele) ergibt sich dem Jesulein zu einem Diener“

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