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Ferdinand Avenarius

Winterabend

Was da! Wenn du genug geschlendert,
Halt dich straff,
Setz dich zum Tisch und lern und schaff!
Und wenn der Schnee dir die Fenster umrändert,
Und der Wind was bläst und hustet,
Schnaubt und prustet –
Lach ihn aus:
Du bist zu Haus,
Brennst dir gemächlich die Lampe an,
Zündest dir dein Zigärrlein dran.
Und dann, hei, dann –
Arbeit, wie sie vergnüglich gedeiht,
Wenn's an die Scheiben windet und schneit!

Ja, nun baust du Papier und Schmöker
Um dich, wie Körbe auf Körbe der Höker,
Holst aus einem ein Äpflein hervor,
Das sich an falsche Stelle verlor,
Freust dich an seinen roten Backen,
Flichtst aus selbstgezogenen Pflänzchen
Nun behaglich ein farbiges Kränzchen,
Suchst dir dann eine Nuss zum Knacken –
Heissa, und bist wohlgemut,
Merkst, du's, deine Zähne sind gut,
Und der Kern schmeckt auch nicht schlecht:
Brav das, deine Ware ist recht!

So wie Stund auf Stündlein verstrich,
Feierabend wird's auch für dich.
Packst dann deinen bunten Kram,
Ein Liedel pfeifend, wieder zusamm,
Dehnst dir noch einmal die Arme aus,
Schmunzelst noch einmal zum Fenster hinaus
»Pfeif du nur drauß,
Ich bin zu Haus –
Und pflücke mir, lieber Traum,
Goldene Äpfel vom Märchenbaum!«

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