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Michael Georg Conrad

Vom Grab meiner Mutter

Vom Grab meiner Mutter komm' ich gegangen.
Fragt mich nichts, ich kann nichts wissen und sagen.
Aus ewigen Schweigens nächtigen Landen
komm' ich gegangen, vom Grab meiner Mutter.
Mein Sinnen und Sehnen ist dort,
mein verzweifeltes Wähnen,
jenseits von allem.

Mit blutigem Herzen, zerrissen,
mit schweren Füßen,
vom Grab meiner Mutter komm' ich gegangen.
Des Herzens heiligste, letzte Zuflucht
liegt unter der Erden.
Vielleicht, wenn des Winters Stürme vorüber,
pflanz' ich Rosen darauf, rote und weiße,
und der Lenz läßt sie glühen und duften,
und des Sommers Sonne umlächelt sie,
und von den Feldern grüßt die Saat herüber
und manche wilde Blume.

Meine Mutter liebte das Feld
und die Saat und die wilden Blumen ...
Dann kommt der Herbst,
nimmt alles hinweg,
und dann der Winter ...
O, wie mich friert ...

Vom Grab meiner Mutter komm' ich gegangen,
zum Grab meiner Mutter geh' ich zurück;
des Herzens heiligste, letzte Zuflucht
liegt unter der Erden.
Fragt mich nichts. Was soll ich wissen und sagen?
Unerbittliches Schweigen umfängt
die nächtigen Lande der Toten.

Mutter! Mutter!

Fortweinen möcht' ich dies Leben,
so weh ist mir
ohne dich.

Mutter, noch einmal nur
sing' mir dein Wiegenlied,
Mutter, sing' mich zur Ruh' – –

(1898)

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