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Wilhelm Jensen

Das Schwerste

Daß ein Tag einst kommt,
Wo ich von dir gehe,
Oder du von mir,
Auf immerdar –
Daß einer den andern
Allein dann läßt
In einer schauernd
Leeren Welt –
Und daß dem einsam
Zurück Gebliebenen
Doch Tage dann
Noch weitergehen –

Jahre vielleicht
Unlöschlicher Sehnsucht,
Brennend steter
Erinnerung –
Und daß die Tage
Dennoch das Recht
Des Lebens begehren,
Ihre arme Gewohnheit –
Wer von uns beiden
Kann solches Angsttraums
Fieberschreckbild
Mit dem Herzen fassen?

Und ob es undenkbar,
Daß Liebe so,
Von Liebe sich trennt
In ewigem Abschied –
Doch wird sein.

Quelle:
„Vom Reichtum der deutschen Seele – Ein Hausbuch deutscher Lyrik“
hrsg. v. Georg Virnsberg, verlegt bei Dollheimer, Leipzig, 1928

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