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Robert Reinick

Der Mutter vorzusingen

Ach wär' ich ein Vögelein,
Ich wüßt', was ich tät':
Ich lernte mir Lieder
Von morgens bis spät.
Dann setzt' ich mich dort,
Wo lieb Mütterlein wär',
Und säng' ihr die Lieder
Der Reihe nach vor.

Und wär' ich ein Schuster,
Ich hätt' keine Ruh',
Ich machte für mich
Und fürs Mütterlein Schuh';
Die wären zum Tanz
Nicht zu kurz, nicht zu lang,
Dann tanzten wir beid'
Nach der Vöglein Gesang.

Und wär' ich ein Fischlein,
Ich wüßt', was da wär':
Ich tauchte zum Grunde
Tief unten ins Meer,
Holt' Bernstein und Muscheln –
Ihr glaubt, nur für mich?
Der Mutter den Bernstein,
Die Muscheln für mich.

Und wär' ich ein Schäflein,
Da hab' ich im Sinn:
Ich gäb' alle Wolle
Dem Mütterlein hin,
Die spinnt dann die Wolle
Und strickt sicherlich
Zwei Dutzend Paar Strümpfe
Für sich und für mich.

Und wär' ich ein Schneider,
Ich wüßt', was ich sollt',
Ich macht' ein paar Kleider
Von Seiden und Gold,
Das eine wär' groß,
Und das andre wär' klein,
Der Mutter das große,
Das kleine wär' mein!

Und wär' ich der Winter,
Es sollt dich nicht reun,
Das Eis und der Schnee
Müssten Zucker dann sein,
Und die Erde der Kuchen,
Den brockten wir fein,
Meine Mutter und ich,
In den Kaffee hinein.

Doch mancherlei möcht' ich
Denn doch wohl nicht sein:
Nicht Äpfel, noch Kirschen,
Nicht Wasser, nicht Wein;
Denn äßest du mich,
oder tränkst du mich aus,
Dann hätt' meine Mutter
Kein Kind mehr im Haus.

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