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Rainer Maria Rilke

Ritter

Reitet der Ritter im schwarzem Stahl
Hinaus in die rauschende Welt.
Und draußen ist Alles: Der Tag und das Tal
Und der Freund und der Feind und das Mahl im Saal
Und der Mai und die Maid und der Wald und der Gral
Und Gott ist selber vieltausendmal
An alle Straßen gestellt.

Doch in dem Panzer des Ritters drinnen,
Hinter dem finstersten Ringen,
Hockt der Tod und muss sinnen und sinnen:
Wann wird die Klinge springen
Über die Eisenhecke,
Die fremde befreiende Klinge,
Die mich aus meinem Verstecke
Holt, drin ich so viele
Gebückte Tage verbringe, –
Daß ich mich endlich strecke
Und spiele
Und singe.

Quelle:
„Vom Reichtum der deutschen Seele – Ein Hausbuch deutscher Lyrik“
hrsg. v. Georg Virnsberg, verlegt bei Dollheimer, Leipzig, 1928

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