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Gustav Schüler

Der Tod und das Kind

Lieb Kindlein, komm, ich trage dich.
Lehn recht dein Köpfchen her an mich;
Ich sing dir eine Weise
Vom Vögelein und Blümelein,
Die wollten Fahrtgenossen sein
Auf deiner ersten Reise.

Sieh nur! Doch deine Augen sind
So voll von Schlaf, mein trautes Kind.
Ich will dir alles sagen:
Wir wandern durch ein großes Feld,
Das hat der liebe Gott bestellt,
Das Feld muß Sterne tragen.

Und horch, was schläfst du nur so schwer,
Ein lieblich Singen läutet her,
Wir nahen deinen Schwestern,
Die waren auch so krank wie du,
Ich sang sie alle fein in Ruh –
Vor tausend Jahren und gestern.

Quelle:
„Vom Reichtum der deutschen Seele – Ein Hausbuch deutscher Lyrik“
hrsg. v. Georg Virnsberg, verlegt bei Dollheimer, Leipzig, 1928

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